Die Situtation
AIDS-Infizierten und AIDS- Betroffenen
in Kidope


In unserer Partnergemeinde Kidope hat HIV/Aids ganz andere Auswirkungen auf die Gesellschaft als z.B. bei uns in Deutschland. Die Infektionsrate in Afrika liegt bei ca. 15 %, wobei man von einer enorm hohen Dunkelziffer ausgeht (1 von 14 Betroffenen). Kidope liegt nicht weit entfernt von Mbeya, einer der schwerstbetroffenen Regionen Tansanias. Dort gibt es weit mehr als 15 % infizierte Menschen- Während bei uns hier mehr Männer betroffen sind, sind es in Afrika mehr Frauen, Das liegt ganz klar in der afrikanischen Kultur und den Traditionen. Schulbildung ist immer noch nicht überall für jedes Mädchen möglich und viele der Frauen, die heute Kinder bekommen, können zwar ein wenig lesen und schreiben, haben aber keinen Zugang zu diesbezüglich wichtigen Informationen und sind abhängig von ihren Männern. Um HIV/Aids-Prävention durchführen zu können; steht Bildung an erster Stelle, Aufklärung muss bei den Kindern, Jugendlichen und Frauen beginnen, um die HIV-infektionsrate zu senken und eine weitere Ausbreitung der Krankheit weitestgehend zu vermeiden. Aids führt zu großen sozioökonomischen Belastungen der Gesellschaft, da die produktiv aktivsten Mitglieder im Alter zwischen 20 und 45 Jahren am meisten betroffen sind. Weniger als 1% der Menschen, die eine Anti- Retrovirale- Therapie benötigen, haben Zugang zu diesen Medikamenten. Zu Weitmarktpreisen kostet eine Therapie mit diesen Medikamenten 10000 Euro pro Jahr und Patient, Für Afrika konnte der Preis durch internationalen Druck und Konkurrenz durch Nachahmermedikamente zwar um 90 % gesenkt werden, ist aber für: die meisten dort betroffenen Menschen immer noch nicht bezahlbar, Stigmatisierung und mangelnde Infrastruktur sind ebenfalls große Hindernisse, diese Epidemie in den Griff zu bekommen. Ais wir im Jahr 2006 in unserer Partnergemeinde zu Besuch waren, kamen wir immer wieder mit dem Thema HIV/Aids in Berührung, Wir besuchten einige infizierte Menschen in dieser Gemeinde, die bereit waren, uns gegenüber über ihre Krankheit zu sprechen. Diese Menschen hatten sich testen lassen, haben sich „geoutet", nachdem sie ihr Laborergebnis hatten und wurden daraufhin in das „Aidsprogramm" aufgenommen, D. h. sie bekommen seitdem regelmäßig ihre Medikamente, wurden gepflegt und - was in Afrika sehr wichtig ist - sie erhalten täglich eine vitaminreiche Mahlzeit, Geholfen werden kann also nur den Menschen, die ihre Krankheit bekannt machen,, wovor sich natürlich viele scheuen. !n Kidope und Umgebung arbeiten die meisten Menschen auf den Feldern in der Landwirtschaft. Da sie, wenn sie erkrankt sind, diese Arbeit nicht leisten können, hat man das sogenannte „Homegardening" eingeführt. Ein großer Sack, der mit Erde gefüllt ist, wird vor dem jeweiligen Haus hingestellt. An den Seiten des Sackes sind Löcher, wo verschiedene Sachen gesät und später geerntet werden können. So kommen sich die betroffenen Menschen nicht so überflüssig vor und können ein klein wenig für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Von offizieller Seite (Staat und Kirche) wird inzwischen immer häufiger und offener über HIV/Aids gesprochen, trotzdem werden die Menschen, die positiv sind, noch sehr oft ausgegrenzt und isoliert. Es gab vor längerer Zeit ein Projekt, das Aidskranken ermöglichen sollte, ihr Immunsystem zu stärken. Jeder Erkrankte sollte eine Ziege bekommen, da Ziegenmilch gesund ist und die Abwehrkräfte aktiviert. Leider wurde diese so gut gemeinte Idee nicht angenommen. Die Betroffenen wollten sich nicht öffentlich zu ihrer Krankheit bekennen. Hätten sie plötzlich eine Ziege im Garten, würde jeder wissen, dass sie infiziert sind. Nur einige wenige nahmen eine Ziege, hielten diese jedoch im Haus versteckt. Eine Frau aus Kidope berichtete uns, wie schlimm besonders die Zeit nach Bekanntwerden ihrer Erkrankung war. Nach dem Test hatte sie nicht sofort erzählt, dass sie „positiv" ist. Erst als sie immer öfter krank war, sogar einen längeren Krankenhausaufenthalt hatte und die Menschen immer mehr über sie redeten, machte sie ihre Krankheit bekannt. Einige Freunde und Bekannte zogen sich zunächst zurück, und es wurde viel „Negatives" gesprochen. Durch die Hilfe mehrerer Menschen der Kirchengemeinde Kidope, die offen zu ihr standen, gewann sie wieder Selbstvertrauen. Jetzt hat sie selber die Initiative ergriffen und mit einigen Frauen eine Selbsthilfegruppe gegründet, die bedürftige Familien besuchen und zu helfen versuchen. In Kidope gibt es sehr viele Waisenkinder, deren Eltern an Aids verstorben sind. Durch den Schulgeldfond der Curauer Tansania-Gruppe haben viele dieser Waisen die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Viele dieser Kinder wachsen bei Verwandten auf, die aber oft auch schon viele eigene Kinder zu versorgen haben. Auch im Waisenhaus in Kidope leben einige dieser Kinder. Wie bereits erwähnt, ist die Landwirtschaft in Kidope lebenswichtig. Wenn man bedenkt, dass vorwiegend Frauen auf den Feldern arbeiten, sind bei folgenden Zahlen die Folgen der Epidemie gar nicht abzusehen: 65% der Frauen, die im Jahr 2025 45 - 49 Jahre alt sein könnten, werden dann nicht mehr leben. Folglich werden immer mehr Landarbeiterinnen fehlen. Es wird zur Nahrungsmittelknappheit und damit zu Hungersnöten kommen. Wirtschaftlich sieht es so aus, dass sich die staatlichen Einnahmen reduzieren, obwohl gerade im Kampf gegen Aids mehr finanzielle Mittel erforderlich sind. Besonders schlimm sind die Auswirkungen von HIV/Aids in jeder einzelnen Familie zu merken. Wenn die Eltern erkranken und als Versorger ausfallen, gibt es keine Einnahmen mehr. Die Verwandten können zwar oft eine Notversorgung mit Lebensmitteln leisten, aber für die ärztliche Behandlung der Eltern, für Medikamente oder Transport zur Klinik ist dann kein Geld da. Es ist also so, dass die Kinder (hauptsächlich die Mädchen) nicht mehr zur Schule gehen können und stattdessen die Feldarbeit machen müssen, um die Familie zu ernähren. Wir trafen uns in Kidope zu einem Diskussionsabend über HIV/Aids mit Jugendlichen. Sie sagten uns, dass es dort absolut tabu ist, über zweigeschlechtliche Beziehungen zu sprechen. Solche Beziehungen darf es bis zur Ehe nicht geben - was an der Realität natürlich voll vorbeigeht. Mädchen sind dort total abhängig von den Männern: über Beziehungen dürfen die Mädchen zu niemandem etwas sagen. Oft unterhält der Mann zu mehreren Mädchen gleichzeitig Beziehungen, was die Ansteckungsrate und Verbreitung der Krankheit natürlich sehr fördert. Dieses „Tabu" muss unbedingt gebrochen werden. Die Mädchen müssen es öffentlich sagen dürfen, mit wem sie befreundet sind. Nur dann können sie sehen, wer die Freundschaft ausnutzt, wo dann die Gefahr der Ansteckung enorm hoch ist. Aufklärung und Hilfe sind sehr wichtig. Es ist immer noch so, dass der Anteil der Frauen, die wissen, dass man sich z. B. mit Kondomen gegen HIV/Aids schützen kann, unter 50% liegt. Wie gesagt -Aufklärung muss bei den Kindern, Jugendlichen und Frauen beginnen. Bildung steht jedoch, wie bei jedem Projekt, an erster Stelle. Wir hoffen, dass unsere Tansania-Gruppe Curau und alle Fördermitglieder weiterhin so erfolgreich helfen können, dass Kinder aus Kidope die Schule besuchen können und damit zu guter Bildung kommen. Das ist der Grundstein für eine hoffentlich erfolgreiche Arbeit in der HIV/Aids -Prävention! Hanßke, Curau 2008

Kidoper Gemeindemitglieder berichten über die Aidsproblematik in Kidope